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Herzlich willkommen bei www.richard-cobden.de, den Seiten zu
Ehren von Richard Cobden. In seiner Zeit berühmt und geachtet, ist
Richard Cobden heute fast völlig vergessen. Allein das Zerrbild eines
angeblich "barbarischen" Manchester-Liberalismus hat überlebt,
auch wenn die historische Kenntnis wohl meist nicht ausreichen würde,
Richard Cobden als den bedeutendsten Vertreter dieses Manchester-Liberalismus
zu nennen.
Pure Ahnunglosigkeit spricht zum Beispiel aus einem Günter Grass,
wenn dieser sich in einem Interview mit Radio Bremen am 21. Mai 1997 wie
folgt ausläßt:
"Wir erleben den Rückgriff auf einen Manchester-Liberalismus,
der keine Rücksicht auf Menschen mehr nimmt. Mit Wortgebilden wie
„Globalisierung“, mit abenteuerlichen, im Grunde ideologischen Erklärungen
werden Entscheidungen über Menschen getroffen, die ihre Existenzgrundlage
verlieren, die aus dem Arbeitsleben herausgekippt werden, und das wird
hingenommen; das heißt, es wird nicht ganz hingenommen."
Spricht Herr Grass hier wirklich von dem Richard Cobden, der, als während
des amerikanischen Bürgerkriegs die Einfuhr von Baumwolle und damit
die Textilindustrie im Norden Englands zum Erliegen kam, zur Linderung
des Elends der "aus dem Arbeitsleben Herausgekippten" eine Sammlung
organisierte, die sich die damals unerhörten Summe von einer Million
Pfund als Ziel setzte? Oder soll die Rede von dem Richard Cobden sein,
der so vor dem englischen Parlament 1841 seinen Kampf gegen die Kornzölle,
die den armen Leuten das Brot verteuerten, begründete:
"Wenn ich in die Fabrikbezirke gehe, dann weiß ich, daß
ich in eine triste Umgebung zurückkehre. Ich weiß, daß
der Hunger durch das Land schreitet und daß Menschen aus Mangel an
den einfachsten Lebensnotwendigkeiten zugrunde gehen. Wenn ich das sehe
und mir ins Gedächtnis rufe, daß es ein Gesetz gibt, das insbesondere
dafür sorgt, die Bevölkerung in absoluter Not zu halten, dann
kann ich nicht umhin, der Gesetzgebung dieses Landes Mord zu unterstellen.
Und wo immer ich stehe, ob hier oder draußen, ich werde dieses System
des gesetzgeberischen Mordes anprangern."
Oder spricht Günter Grass, wenn er von "abenteuerlichen Erklärungen"
schwadroniert, von dem Richard Cobden, der 1846 in einer Rede in Manchester
mit diesen Worten das Ziel des Freihandels erläuterte, der mit dem
Fall der Kornzölle die erste Globalisierung mit ihrem vorher undenkbaren
Wohlstand einleitete:
"Aber mir ist vorgeworfen worden, zu sehr auf die materiellen Interessen
zu schauen. Nichtsdestotrotz kann ich sagen, daß ich einen so breiten
und großen Blick auf die Wirkungen dieses mächtigen Prinzips
geworfen habe, wie es jemals jemand getan hat, der in seiner Studierstube
darüber nachgesonnen hat. Ich glaube, daß der physische Gewinn
der kleinste Gewinn für die Menschheit aus dem Erfolg dieses Prinzips
sein wird. Ich schaue weiter, ich sehe im Prinzip des Freihandels das,
was in der moralischen Welt wie das Prinzip der Schwerkraft im Universum
wirken wird, was Menschen zueinander zieht und den Gegensatz von Herkunft,
Glauben und Sprache beiseite stoßen wird und uns im Band des ewigen
Friedens vereinigen wird. Ich habe noch weiter geschaut. Ich habe spekuliert,
habe wahrscheinlich geträumt von einer nur schwach sichtbaren Zukunft,
wohl tausend Jahre von heute, ich habe darüber spekuliert, was die
Wirkung des Triumphs dieses Prinzips sein mag. Ich glaube, daß die
Wirkung sein wird, das Antlitz der Welt zu verändern, um ein Regierungssystem
einzuführen, das vollkommen verschieden von dem ist, welches jetzt
vorherrscht. Ich glaube, daß der Wunsch und das Motiv für große
und mächtige Reiche, für gigantische Armeen und große Flotten,
für diese Materialien, die zur Zerstörung von Leben und der Verwüstung
des Ertrags der Arbeit benutzt werden, absterben wird. Ich glaube, daß
solche Dinge aufhören werden, notwendig zu sein oder benutzt zu werden,
wenn die Menschen eine Familie werden und frei die Früchte ihrer Arbeit
mit ihren Mitmenschen als Brüder tauschen."
Weil all dies so wenig bekannt ist, hat sich diese Website das Ziel
gesetzt, das Leben Richard Cobdens, seine historischen Leistungen und seine
weiterhin aktuellen Gedanken zusammenzutragen.
[Im Hintergrund ist die Unterschrift Richard Cobdens
zu sehen, die wie das obige Portrait von George Patten aus dem Jahre 1849
dem zweiten Band der dritten Auflage der "Speeches on Questions of Public
Policy by Richard Cobden, M.P." von 1908 entnommen ist.] |